III. Ethik-Symposium ·
03. - 05. Mai 2002
·
Seebad Kühlungsborn
Bei
einem vorgeblich unter den materiellen Vorgaben eines nahezu grenzenlosen
Machbarkeitswahns recht einseitig ausgelegten anthropotechnischen Verstehensbild
wird allzu leicht übersehen, dass eine „moderne Denkweise“ nicht zwangsläufig
die Ausblendung der Menschlichkeit zu Gunsten moderner Technik zu bedeuten
hat. In der Dimension einer erweiterten Technik liegt unbenommen auch eine große
Chance zur menschlichen Befreiung.
Vieles
hängt in unserer modernen Welt in gewachsener, voneinander abhängiger, um
wegen ungewollter Assoziationen nicht zu sagen „vernetzter Weise“ zusammen.
Dies gilt gerade dann, weil allzu vieles gerade in Bezug auf die Medizin und
Heilkunde für lange Zeit getrennt und dichotomisch gesehen wurde, auch wenn
diese Art der Sicht einen guten Grund hatte. Die weit gehende Bewusstmachung von vernetzten
Ganzheitlichkeiten ist uns zukünftig ein wichtiges Erkenntnisziel. Auf die
Medizin und Heilkunde bezogen heißt das, dass das mutige Akzeptieren von
offenen, dynamischen Systemen gerade auch in ihren Erkenntnisbereichen eine sehr
wichtige Rolle wird spielen müssen. Eine moderne Medizin, qua umfassender
Heilkunde, ist nicht per se gut oder schlecht, sondern erst anhand unseres
Denkens und Handelns machen wir sie zu einem menschenwürdigen und darüber
attraktiven Handlungsapparat oder einem seelenlosen, gar monströsen Instrument
von höchster Verfügbarkeit ohne jegliches menschliches Maß.
Eine
grundlegend menschlich bleibende Medizin ist zwangsläufig immer auch vorwärtsschreitend
und in den Vorgaben ist sie stets hypermodern. Aber sie ist gleichfalls auch rückwärts
gewandt, bodenständig, im guten Sinne tradiert und in einer Art ihrer
innewohnenden Tugendhaftigkeit auch bescheiden. Gerade in diesem Wechselspiel
zwischen Fortschritt und Bewahrung bewegt man sich auf einem zunehmend schmaler
werdenden Grat von überlebensnotwendiger Rücksicht und Demut. In der
fortschreitenden Entwicklung und Innovation einerseits, wie aber auch in der
Bewahrung von Bewährtem andererseits und insbesondere in der Vermittlung dieser
beiden vom Ansatz her grundsätzlich unterschiedlichen Werterichtungen liegt
sowohl die Herausforderung wie auch die künftig zu lösende Aufgabe für eine
am Menschen zu orientierende Medizin.
Diesem
besonderen Ziel ist das Symposium zur medizinischen Ethik im 21. Jahrhundert
verpflichtet. Unter dieser zielgemäßen Vorgabe ist das
(Doppel-)Thema des Symposiums orientiert:
Deren
doppelte Bearbeitung soll auf dem Symposium dahingehend thematisiert werden,
indem 21 namhafte Referenten aus dem In- und Ausland, wie Ethiker, Mediziner,
Methodologen, Naturwissenschaftler, Philosophen, Juristen, ganzheitliche Denker
und Praktiker über Referate vor der gleichfalls geladenen fachkundigen und
interessierten Öffentlichkeit eine vorläufige Basis für den weiteren Dialog
schaffen werden.
Über
das Referieren und Zuhören, das miteinander Sprechen sowie das in
unterschiedlichen Formen miteinander Diskutieren ist die Möglichkeit gegeben,
Chancen wie Risiken einer modernen, d. h. in radikaler Weise am Menschen zu
orientierenden Medizin herauszufinden.