IV.
KÜHLUNGSBORNER
GESPRÄCHE
"Das Ethos
in der Heilkunde – Medizinische Gegenwart und Zukunft"
09. bis
11. Mai 2003
· Seebad Kühlungsborn
Abstract:
Ein
Podiumsgespräch
mit Prof. Dr. Karl-Friedrich Wessel
und Frau Margot von Renesse
zum Thema:
"Arzt-Patienten-Beziehung und die Fortschrittsfalle"
Ausgangspunkt Prof.
Dr. Karl-Friedrich Wessel
Der souveräne Arzt
– der souveräne Patient und der unaufhaltbare Fortschritt der medizinischen
Forschung ©
Prof. Dr. sc. phil. Karl-Friedrich
Wessel ·
Humanontogenetik ·
Past-Direktor des Interdisziplinären Instituts für Wissenschaftsphilosophie und
Humanontogenetik der Humboldt-Universität zu Berlin ·
Unter den Linden 6 ·
D-10099 Berlin
-
Inwieweit
kann ein Patient souverän sein?
-
Inwieweit
kann der Arzt im Spannungsfeld von Erfahrung, Wahrnehmung des Fortschritts
und den Zwängen von Ort, Zeit und Geld souverän sein?
-
Lässt
sich der Erkenntnisdrang einschränken und dadurch die Chance der
Beherrschbarkeit der in diesem Prozess enthaltenen Ambivalenz vergrößern?
Das
Verhältnis von Patient und Arzt steht letztendlich im Mittelpunkt aller
Bemühungen des „Gesundheitswesens“. Die Qualität dieses Verhältnisses
hängt von der Souveränität oder der Ohnmacht von Patient und Arzt ab. Was
einem Patienten hilft, was er beansprucht, was ein Arzt vermag, was er einsetzt,
wie beide sich zu einander verhalten, hängt von der Souveränität des Einen
wie des Anderen ab.
Natürlich
sind die „Verhältnisse“ von großer Bedeutung. Das Arzt-Patient-Verhältnis
hängt stark von den Rahmenbedingungen ab, die – und das ist entscheidend –
müssen sich aus dem Arzt-Patient-Verhältnis ableiten oder begründen lassen
und nicht umgekehrt.
Jede
Diskussion über den Erkenntnisfortschritt, die letztendlich Erkenntnisgegenstände
ausschließt, muss scheitern. Der Mensch will alles wissen, was ihm zu erkennen
möglich scheint und er wird Wege finden, seinem Drang zu folgen. Niemand hat
das Recht, Erkenntnisgegenstände auszuschließen. Ort, Zeit und Mittel können
sehr wohl der Diskussion unterliegen, natürlich auch das hohe Gut der Menschenwürde.
Entscheidend ist aber, die Ambivalenz aufzuspüren, d. h. sie zu erkennen
und erst dann Wertungen vorzunehmen, die das Gewollte vom Ungewollten
unterscheiden.
Der
Mensch muss sich den Gefahren stellen und nicht vermeiden wollen, was als Möglichkeit
auch das Positive enthalten kann, jedem Schein zuwider.