IV.
KÜHLUNGSBORNER
GESPRÄCHE
"Das Ethos
in der Heilkunde – Medizinische Gegenwart und Zukunft"
09. bis
11. Mai 2003
· Seebad Kühlungsborn
Zwei Abstracts:
Vortrag
in Dialogform
Vom
Ethos einer zuhörenden und sprechenden Medizin
©
Chancen –
Gefahren – Strategien
Ein
Dialog
Prof.
Dr. rer. pol. Dr. med. Karl-Heinz Wehkamp ·
Medizinethik ·
Studiengang
Gesundheit / Public Health ·
Hochschule für angewandte Wissenschaften
(HAWH) Hamburg
·
Lohbrügger
Kirchstraße 65 ·
D-21033 Hamburg
Prof. Dr. med. Walter M.
Gallmeier ·
Onkologie und
medizinische Ethik ·
ehem. Vorstand der Medizinischen Klinik 5 und Ärztlicher
Direktor des Klinikums Nürnberg · Mögeldorfer
Hauptstr. 55 ·
D-90482 Nürnberg
-
Worin
besteht das „Ethos“ einer zuhörenden und sprechenden Medizin?
-
Wie
wird die Ökonomisierung der Medizin die Chancen für sie beeinflussen?
-
Welche
Strategien und Konzepte sind Erfolg versprechend?
Die Veränderungen der
Rahmenbedingungen ärztlicher Tätigkeit, teils als Ökonomisierung, teils als
Machtwechsel zu Lasten der Ärzte beschrieben, hat die über lange Zeit die
Medizinentwicklung begleitende Debatte über das Selbstverständnis ärztlichen
Handelns in den Hintergrund treten lassen. Die Debatte über den Unterschied
zwischen dem Arzt und dem „Mediziner“ kann auf eine lange Geschichte zurückblicken.
Der von Thure von Uexküll anvisierte „Paradigmenwechsel“ vom
„menschlichen Maschinenmodell“ zu einer integrierten Sichtweise des Menschen
ist sowohl durch die Stärkung der Molekulargenetik als auch durch die Finanznöte
im Gesundheitswesen, vielleicht aber auch durch Schwächen des theoretischen
Konzepts, in den Hintergrund getreten. Andererseits: Je mehr die Ärzte
wahrnehmen, dass die ökonomische Situation die verfügbare Zuwendungszeit zu
dem einzelnen Patienten verkürzt, umso deutlicher wird auch den
„Technikern“ unter ihnen, wie wichtig das Gespräch zwischen Patient und
Arzt sowie das mit den Angehörigen ist.
Ärzte sind nicht nur allgemein für
die Sicherheit ihrer Patienten verantwortlich, sie tragen auch Verantwortung für
das praktizierte „Paradigma“. Im Gegensatz zum Herstellungsprozess von
Industrieprodukten ist die ärztliche Tätigkeit nicht nur auf „das Produkt
Heilung“ ausgerichtet. Gerade auch im
aktuellen Vollzug ärztlichen Handelns als Begegnung zweier Personen liegt das
existenzielle Moment praktischer Medizin, die ihr den Charakter des
„Humanum“ verleiht. Das ethische Prinzip der Sorge um das Wohl des Patienten
sowie um die Abwendung von Schaden müsste den existenziellen Kern der Patient-
Arzt-Beziehung bewusst machen, formulieren und effektiv schützen. In der
personalen Begegnung liegt nicht nur ein wesentliches „schützenswertes
Kulturgut“, in ihr liegt auch der Grund der „Salutogenese“.
Im Zuge der zunehmenden
Rationalisierung der Rahmenbedingungen ärztlichen Handelns geraten Ärzte in
ein dramatisches Dilemma: Einerseits sind sie für die von ihnen praktizierte
Medizin im umfassenden Sinne verantwortlich, andererseits bedrohen die aktuellen
Rahmenbedingungen, die ökonomisch und politisch bestimmt sind und einer
globalisierten Welt angehören, die Möglichkeiten ihrer Verantwortungsübernahme.
Den politischen Ingenieuren des Gesundheitswesens und der Gesundheitsmärkte müsste
es gelingen, wissenschaftlich-technische und ökonomische Rationalität (z. B.
auch die der „Evidence-Based Medicine“) mit existenzieller Sensibilität zu
verbinden. Diese Aufgabe müsste zunächst als Ziel gesetzt werden, um ihre
komplizierte Lösung vorzubereiten. Die Spezifität des Finanzierungssystems der
Medizin wird für die Realisierung voraussichtlich eine größere Rolle spielen
als die akademische Debatte.
Diskurs / Workshop
Die praktische
Umsetzbarkeit einer kommunikativen Medizin ©
Prof. Dr. med. Walter M.
Gallmeier ·
Onkologie und
medizinische Ethik ·
Past- Vorstand der Medizinischen Klinik 5 und Ärztlicher Past-Direktor des Klinikums Nürnberg · Prof.-Ernst-Nathan-Str. 1 ·
D-90419 Nürnberg
Prof.
Dr. rer. pol. Dr. med. Karl-Heinz Wehkamp ·
Medizinethik ·
Studiengang
Gesundheit / Public Health ·
Hochschule für angewandte Wissenschaften
(HAWH) Hamburg
·
Lohbrügger
Kirchstraße 65 ·
D-21033 Hamburg
Dr.
med. Gerd Büschel ·
Psychoonkologie und rehabilitative Medizin ·
Bayerwald-Klink ·
Klinikstr. 22 ·
D-93413 Cham
-
Was
heißt „kommunikative Medizin“ praktisch?
-
Was
kann der Arzt / die Ärztin im Angesicht des Patienten tun?
-
Welche
Beiträge kann das Management in der Klinik leisten?
Der
Workshop ist als Diskurs angelegt. Seine Ergebnisse und Schwerpunkte sind demgemäß
offen. Erfahrungen der Teilnehmer sollen ausgetauscht werden. Dabei wird uns die
Frage begleiten, ob und warum eine „kommunikative Medizin“ uns ein Wert
ist.
In
soziologischen Kategorien formuliert konzentrieren wir uns auf die Mikro- und
Mesoebene, d. h. einerseits auf die direkte Patient-Arzt-Beziehung und
andererseits auf die Ebene der Organisationen, also der Kliniken, Ambulanzen und
Krankenkassen. Wir möchten den Fragen nachgehen, inwieweit so genannte
Disease-Management-Programme oder Konzepte der Qualitätssicherung eine
kommunikative Medizin unterstützen können und was das gesamte
Klinikunternehmen hierfür tun kann.