Steinvorth IV
Gruppe Ethik-21 / EVE-STIFTUNG

 

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IV. KÜHLUNGSBORNER GESPRÄCHE

"Das Ethos in der Heilkunde – Medizinische Gegenwart und Zukunft" 

09. bis 11. Mai 2003 · Seebad Kühlungsborn

Abstract:

Ein Podiumsgespräch
mit Herrn Prof. Dr. Ulrich Steinvorth
und Herrn Prof. Dr. Stefan Huster
zum Thema:

"Moderne Steuerungsmechanismen für die Gesundheitsversorgung"

 

Ausgangspunkt Prof. Dr. Ulrich Steinvorth

Soziale Gerechtigkeit in der Gesundheitsversorgung ©

Prof. Dr. phil. Ulrich Steinvorth · Praktische Philosophie · Philosophisches Seminar der Universität Hamburg · Von Melle Park 6 · D-20146 Hamburg

  1. Warum muss heute über die Gesundheitsversorgung gesprochen werden?

  2. Welche Überlegungen sprechen für ein Modell der Grundversorgung?

  3. Unter welchen Bedingungen entspricht eine Grundversorgung einem Gleichheitsideal?

Die heutige Medizin bietet Möglichkeiten der Heilung und Lebensverlängerung an, die das frühere medizinische Ideal, alles zu tun, was zur Heilung und Lebensverlängerung beiträgt, nur auf Kosten anderer Bereiche wie der Ausbildung möglich macht. Wie viel von den Ressourcen, die einem Individuum oder einer Gesellschaft zur Verfügung stehen, für die Gesundheit, wie viel für die Ausbildung, wie viel für Urlaub oder die Wohnung ausgegeben wird, sollte möglichst von den Betroffenen selbst entschieden werden können. Daher sollte der Bürger selbst unter verschiedenen Angeboten der Gesundheitsversorgung wählen können. Die Alternative dazu ist ein „Weiterwursteln“ unter den bestehenden Bedingungen, die die Gesundheitsversorgung von zufälligen Umständen abhängig macht, die weder Effizienz noch Gerechtigkeit sichern.

Gesundheit ist aber auch ein Gut, auf das niemand in einigen elementaren Bereichen verzichten wird. Auch wenn es nicht leicht ist, diese Bereiche zu bestimmen, sind sie die, für die eine obligatorische Grundversorgung vernünftig scheint. Offensichtlich hängt es von verschiedenen Gesichtspunkten ab, wann eine Grundversorgung als gerecht anerkannt wird: davon, wie viel Ressourcen zur Gesundheitsversorgung zur Verfügung stehen; wie viel man für konkurrierende Bereiche wie die Ausbildung ausgeben will; ob man die Grundversorgung durch Beiträge (und hier wieder: ob einkommensab- oder -unabhängig) oder Steuern (und hier wieder: Steuern welcher Art) finanziert; wie sich das Verhältnis von gesetzlichen und privaten Krankenkassen unter Wahltarifen entwickelt; die Nichtaufnahme welcher Leistungen in die Grundversorgung die gleiche Achtung jedes Bürgers verletzt, die man von einem modernen Staat fordern muss; welche Gleichheitsideale man überhaupt für verbindlich halten kann. Diese und weitere unvermeidliche Fragen zur Grundversorgung sind nicht leicht zu beantworten. Sie müssen aber eine Klärung finden, wenn man eine leistungsfähige und zugleich gerechte Gesundheitsversorgung erwartet.

 

 

EVE / Heiligendammer-Gespräche

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