Bühring I
Gruppe Ethik-21 / EVE-STIFTUNG

 

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Publikation 2000

MEDIZINISCHE ETHIK IM 21. JAHRHUNDERT - ZUR ANTHROPOTECHNIK DER MENSCHLICHKEIT

"Verantwortung und Ökomomie in der Heilkunde" 

Beitrag zum I. Ethik-Symposium: 12. bis 14. Mai 2000 · Ostseebad Kühlungsborn

Abstract:

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren ... ©

Ethik und ethische Verpflichtungen aus einer intimen Kenntnis der Kreatur

Prof. Dr. med. Malte Bühring · Klassische Naturheilverfahren · Universitätsklinikum Benjamin Franklin  · Leiter der Klinik für Naturheilkunde der Freien Universität Berlin ·  Krankenhaus MOABIT · Turmstraße 21 · D-10559 Berlin

  1. Gibt es ein objektives und subjektives Erleben „gegenüber“ und „in“ der Natur?

  2. Kann die beleuchtete Natur noch leuchten? Oder: Was erfahren wir mit dem Singen und Küssen von der Natur?

  3. Wie frei ist der Tiefgelehrte und welchem Muss unterliegt ein betroffener Arzt?

Forderungen nach einer gut verständlichen, allgemein akzeptierten ohne Voraussetzung oder Einschränkung lehr- und lernbaren Medizin haben eine berechtigte Grundlage. Medizin soll dann ohne ideologische Zwänge und ohne weltanschauliche Skurrilitäten vermittelt werden. Im weiteren Verfolg dieser Postulate werden aus objektiven Ergebnissen therapeutische Studien sog. Leitlinien entwickelt, die für den Arzt zunehmend verpflichtend werden, immer häufiger gelten sie jetzt auch als Expertise vor Gericht.

Als wichtigster Maßstab für die Beurteilung einer Therapie dient die wissenschaftlich erarbeitete Evidenz, an dieser Stelle liegen aber auch große Risiken und Gefahren, Fehl- oder Missbräuche haben sehr stark auch eine ethische Dimension:

1. Häufig beherrschen die Experten einer Leitlinien-Kommission nur Ausschnitte der gesamten medizinischen Diagnostik und Therapie, sämtliche Randgebiete werden dann ausgeschlossen und beinahe zwangsläufig zur Außenseitermethode.

2. Naturheilverfahren entspringen mehr einer medizinhistorisch gut belegten Tradition als einer klinisch experimentierenden Forschung, Material zur Beurteilung von Evidenz liegt in der Regel nur unzureichend vor. Es wäre ein großer Fehler, deswegen auf empirisch bewährte Methoden zu verzichten. Im Gegenteil sind auch für klinische Studien mit klassischen Naturheilverfahren bei einem großen Feld klinisch und epidemiologisch relevanter Krankheiten gute Ergebnisse zu erwarten.

3. Bei solchen Studien gilt es aber, Voraussetzungen und Regeln vieler Naturheilverfahren sachgerecht zu beachten, wichtige Gesichtspunkte ergeben sich aus einer neuen Bewertung von Pathogenese und Pathologie einer Erkrankung sowie von individuellen Besonderheiten eines Patienten: Naturheilkunde pflegt ihre eigene Nosologie und Anthropologie.

Eine hierzu notwendige Diagnostik und manche Gesichtspunkte zur Therapie entziehen sich einer objektiven Messung oder Darstellung - den Zahlen und den Figuren moderner Naturwissenschaft. Die Beschäftigung mit neuen Forschungsmethoden und Hypothesen wirft weitere ethische Fragen auf, insbesondere darf auf eine kritische Diskussion und intellektuelle Redlichkeit nicht verzichtet werden.

 

 

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