IV.
KÜHLUNGSBORNER
GESPRÄCHE
"Das Ethos
in der Heilkunde – Medizinische Gegenwart und Zukunft"
09. bis
11. Mai 2003
· Seebad Kühlungsborn
Abstract:
Ethos
- oder: Schicksal als Designaufgabe
©
Dr. phil.
Peter-Alexander Möller ·
Ethik und Gesundheitsökonomie, angewandte Kommunikation, medizinische Trends ·
Gruppe
Ethik-21 ·
Gräflingsweg 24
·
D-22844
Norderstedt
-
Welches
Maß an Medizin sollen und dürfen wir uns wünschen?
-
Was gilt
es zu bewahren, und was zu verändern?
-
Welche
Unterscheidungen müssen für die Medizin getroffen werden?
Unsere
moderne Medizin ist in vielerlei Hinsicht im Wandel. Viele ihrer tradierten
Wertebilder sind im Umbruch bzw. werden derzeit neu ausgehandelt.
Wechselseitiges Vertrauen ist dabei eines ihrer zentralen Anliegen: Es steht im
Zentrum der moralischen Entscheidungen. Dafür ist es notwendig, dass Absprachen
neu getroffen und einsehbare Regeln geschaffen werden, welche ein Maximum an
individueller Freiheit und medizinischem Pluralismus mit professionell
verantwortlicher Fürsorge, sensitiver Kommunikation sowie tragfähiger Ökonomie
verbinden helfen.
„Regelungen
auf Zeit“ und „Vereinbarungen nach Bedürfnisstand“ schaffen hierzu sowohl
die notwendige Verbindlichkeit als auch die zeitgemäße Freiheit, sofern es um
medizinisch-heilkundliche Selbstverbesserungsmaßnahmen geht. Wer gesünder sein
will als gesund und so schön, wie die Natur es hätte „erschaffen“ sollen,
wird damit seinen gewünschten Lifestyle der Zukunft finden und fortan bestellen
können. Hierbei gilt es, von vornherein möglichst viele Optionen offen zu lassen.
„Vorgaben
unter weiser Vorausschau“ und „Maßnahmen nach Bedarf“ geben eine stets
begrenzte Absicherung vor den Missgeschicken des Lebens und dem möglichen
Kranksein an sich vor. Sie sichern diese ab. Krankheit als Chance, Weg und
Aufgabe ist zunehmend ein gemeinsames Anliegen von Betroffenem, seiner
medizinischen Ansprechpartner und Assekuranzsysteme. Hierfür ist die ethische
Einbettung im Sinne einer umfassenden „Lebenswissenschaft“ zukunftsweisend.
Dies setzt eine respektvolle und faire Kommunikation und allseits realisierbare
Transparenz voraus.
Eine
maßgebende Aufgabe der Medizin des 21. Jahrhunderts wird es sein, zwischen
individuellem Optimierungsstreben einerseits und fürsorglicher Absicherung
andererseits eine akzeptable Balance zu finden. Hierfür gilt es die teils
divergenten Aufgaben von Verantwortung, Kommunikation und Ökonomie im Sinne
eines zukunftsfähigen medizinischen ETHOS’ in engen Kontakt zueinander zu
bringen.