Dietzel V
Gruppe Ethik-21 / EVE-STIFTUNG

 

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V. KÜHLUNGSBORNER GESPRÄCHE

"Ethos, Innovation, Zukunftsgestaltung – Medizin und Heilkunde als Vertrauensmarke" 

30. April bis 02. Mai 2004 · Seebad Kühlungsborn

Abstract:

Doppelvortrag

Modernisierung im Gesundheitswesen durch Telematik ©

Dr. rer. publ. Gottfried T. W. Dietzel LL.M.-Ministerialrat · Telematik - Gesundheitskarte · Leiter des Referats PG 1 "Gesundheitstelematik, Informationsgesellschaft - Grundsatzfragen" · Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung BMGS · Am Probsthof 78 a · D-53121 Bonn

Prof. Dr. med. Harald Korb · Telemedizin · Ärztlicher Direktor der Philips HeartCare Telemedicine Services · Heinrich-Heine-Allee 1 · D-40213 Düsseldorf 

  1. Welche Chancen in der Behandlungsverbesserung sind mit einer optimierten Datenverfügbarkeit verbunden?
  2. Welche positiven und negativen Veränderungen in der Kooperation zwischen Ärzten und Patienten sind durch die Telematik gegeben?
  3. Inwieweit hat der Patient als Kunde Anspruch auf eine optimierte Behandlung, die "State of the Art" moderne Technologien mit einbezieht?

Die Einführung der Telemedizin in der Betreuung, Therapieführung und -steuerung chronisch kranker Patienten gilt in Deutschland – trotz starker Unterstützung durch Gesundheitspolitik und Gesundheitsökonomie – nach wie vor als Pionierarbeit. Nach der WHO-Definition von 1998 versteht man unter Telemedizin ganz allgemein "die Erbringung von Gesundheitsdienstleistungen unter Verwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien zum Austausch gültiger Informationen für Diagnose, Therapie und Prävention von Krankheiten, wenn dabei die räumliche Entfernung einen kritischen Faktor darstellt“. Neueste technische Entwicklungen und entsprechende logistische Voraussetzungen bieten allerdings erst heute eine realistische Basis, Telemedizin als zentrales Service- und Informationstool zu implementieren und als Instrument zur Steuerung von Informations- und Datenfluss zwischen Patient, Krankenhaus und niedergelassenem Arzt zu nutzen. Zentraler Bestandteil des Systems ist dabei die lückenlose online Erfassung unterschiedlicher und für die spezifische Grunderkrankung relevanter physiologischer Messparameter, um damit einen wesentlichen Teil der oft sehr aufwendigen ärztlichen Grundversorgung in der Betreuung chronisch Kranker über Home-Care-Geräte abzudecken.

Telemedizin bietet dabei den entscheidenden Vorteil, dass aus gesundheitsökonomischer Sicht zwei entscheidende Mechanismen zur Verbesserung der Kosten-Nutzen-Relation zum Tragen kommen:

  1. die Konzentration von Ressourcen – der telemedizinisch betreute Patient erhält die Diagnose und evtl. Therapie ohne direkten Arztkontakt, innerhalb kürzester Zeit und sogar über große Entfernungen;

  2. der Einsatz von Ersatztechnologien – die EDV-gestützte Verarbeitung der Patientendaten ist schneller, effizienter und verhindert unnötige Doppeluntersuchungen.

Telemedizin präsentiert sich damit als eine zukunftsweisende Betreuungsform, der bei den gegenwärtigen Zwängen – wie z. B. Ärztemangel und auch demografische Veränderungen der Bevölkerungsstruktur – ein erheblicher Stellenwert in der Betreuung der Patienten zukommen wird. Besondere Ansätze ergeben sich speziell bei ökonomisch bedeutsamen Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, Hypertonie, Diabetes, Asthma und chronisch obstruktive Lungenerkrankungen, die eine neue Betreuungssystematik dringend erforderlich machen. Gleichzeitig werden auch innovative Schritte und Lösungsansätze im Sinne von integrierten Versorgungsmodellen notwendig, sodass Strukturveränderungen vorgenommen werden müssen. Gegenwärtig sind die Strukturen sektoral voneinander abgeschottet. Erst mit einer entsprechenden telemedizinischen Plattform ist eine sektorübergreifende Versorgung der Patienten im Sinne einer durchgehenden Versorgungslinie von der ambulanten über die stationäre bis hin zur rehabilitativen Versorgung, auch im häuslichen Pflegebereich, zu Gewähr leisten.

Für Klinik, niedergelassenen Facharzt und Hausarzt werden sich eine Vielzahl von Vorteilen ergeben, wenn sich die einzelnen medizinischen Institutionen als Partner im Sinne eines Qualitätsverbundes zusammenschließen. Möglicherweise auch kann durch den Einsatz der Telemedizin der Streit zwischen Politik, Gesundheitsökonomie, Leistungserstattern und Ärzteschaft auf eine sachlichere Basis gestellt werden, weil Kostensenkung und Qualitätsverbesserung zu einem geringeren Ressourcenverbrauch führen werden.

Meinungsbildner und Entscheider aus den unterschiedlichen Bereichen des Gesundheitswesens diskutieren intensiv über Implikationen und Problemkonstellationen, die der Einsatz multimedialer Kommunikations- und Informationstechnologien im Gesundheitswesen bei räumlicher Trennung zwischen Arzt und Patient zwangsläufig mit sich bringen muss. Darüber hinaus werden durch Telemedizin die Organisationsstrukturen im Gesundheitswesen in hohem Maße verändert: hierarchische Strukturen werden aufgebrochen, das Arzt-Patienten-Verhältnis verliert seine Abhängigkeit von Zeit und Raum, der Patient ist informiert und wird partiell zum Dokumentator seiner eigenen Krankenakte, der Arzt ist in kommunikative Strukturen eingebunden, komplexe Technologien reagieren und agieren auf Sprache, Ton und Signale und zwingen zur Umstrukturierung und  zu Umdenkungsprozessen.

In diesem Kontext werden immer neue Fragen gestellt, die dringliche Antworten fordern:

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Ist tatsächlich voraussetzbar, dass neuartige Technologien von Patienten und Ärzten in zunehmendem Maße als selbstverständlicher Bestandteil der eigenen Existenz begriffen werden oder werden nur Ängste, Misstrauen und Widerstände geweckt?

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Was tut und muss die Industrie noch tun, um die "feindlich“ besetzte Dualität von Mensch und Maschine aufzuheben?

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Wird der Patient als Manager seiner Gesundheit überfordert?

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Wie organisieren wir ein lebenslanges Lernen im Fach "Gesundheit“ und wie gestalten wir den Lernprozess?

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Welche zusätzlichen Qualifikationen benötigt der Arzt, um seine neue Rolle zu finden?

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Erlaubt Telemedizin überhaupt eine ärztliche Identifikation?

 

 

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