VI. Heiligendammer-Gespräche ·
06.–08.
Mai 2005
Seebad Heiligendamm
Anlass:
Wirtschaftliche
Kriterien bei Therapieentscheidungen stellen ein Problem dar, auf das Ärzte,
Pflegende und Therapeuten unzureichend vorbereitet sind. Unter den Leitbegriffen
Wettbewerb und Rationalisierung verändern sich nicht nur Finanzierung,
Organisation und Arbeitsbedingungen in der Medizin, sondern auch die ärztliche
Indikationstellungen und die Qualität der Versorgung. Es herrscht Orientierungslosigkeit
in der Medizin und Heilkunde: ein Anlass zu ethischer Reflexion.
Grund:
Aus
Versorgungsbereichen werden zunehmend Marktsegmente, aus dem
"GesundheitsWesen" werden tendenziell eine
"GesundheitsBranche" und eine "GesundheitsIndustrie".
Perspektivisch scheint sogar der Patient zu Gunsten eines "Health Care
Consumers" abgeschafft zu werden. Ein wesentliches Gut unserer Kultur ist
ernsthaft bedroht: die Arzt-Patient-Beziehung.
Der Motor der
Entwicklung der ZukunftsBranche "Heilkunde" liegt längst nicht mehr
in ihrem eigenen Zentrum, sondern ist eng verbunden mit den
Verzinsungsinteressen von Kapital. Für das "GesundheitsWesen"
bedeutet dies, dass ein viele Jahrzehnte dauernder Dornröschenschlaf mehr oder
weniger abrupt vorbei geht. Zunehmende Fortschrittlichkeit und technisch
innovative Machbarkeit, demografischer Wandel und Umstrukturierung, sowie der
notwendig gewordene moderne Wandel traditioneller medizinischer Werte auf Grund
neuer Wertstellungen in dem bislang nach Bismarckschen Muster regulierten
Sozialsicherungssystem bestimmen zunehmend unser Denken und Handeln. Es gilt
eine veränderte Balance zwischen Plan und
Markt.
Motiv:
Gewährleistung
"guter" fortschrittlicher und zukunftsfähiger Medizin zu kleinen, und
d. h. bezahlbaren Preisen. Ökonomie und Humanität ist kein zwangsläufiger
Widerspruch.
Für eine für
beide Seiten gewinnbringende Synthese gilt es herauszufinden unter welchen
Bedingungen eine bessere Medizin und Heilkunde fortan zu organisieren ist.
Dafür ist zu hinterfragen, was denn der eigentliche "Kernbereich" der
Medizin ist, was ihre "Essenz" und was ihre "Identität".